Im zweiten Teil unserer Serie zum Thema Spielerschutz taucht Klaus Müller-Deisting tiefer ein in die physiologischen Vorgänge bei problematischem Spielverhalten. Der Daten-, Spieler- und Jugendschutzbeauftragte von Lotto Brandenburg beschreibt den Segen und Fluch von Dopamin.

In meinem ersten Betrag habe ich versucht, die Wichtigkeit des Themas Spielerschutz näher zu bringen. Die allermeisten Menschen spielen aus reiner Lust am Nervenkitzel und mit der Hoffnung auf einen größeren Gewinn, um sich den einen oder anderen Wunsch erfüllen zu können. Doch einige wenige fühlen eine stetig steigende Anziehung durch diesen einen „magischen“ Gewinn, der angeblich alle Probleme lösen könnte.

In den meisten Fällen steigt diese Anziehung nur vorübergehend, beispielsweise bei einem über längere Zeit wachsenden Jackpot. Sobald dieser fällt, reguliert sich der Reiz sofort wieder auf das persönliche „Normalmaß“ zurück. Dagegen merkt aber eine kleine Gruppe, die sich vor allem eine Problemlösung durch einen Lottogewinn erhofft, die Veränderung ihres Spielverhaltens nicht.

Schleichender Prozess

Diese Veränderungen sind meist nicht unmittelbar wahrnehmbar, besonders nicht für die Betroffenen selbst. Man spielt halt mal etwas mehr, weil der Jackpot gerade höher ist; oder weil man gerade ein gutes Gefühl hat; weil die eigenen Zahlen ja auch mal kommen müssen; usw.

Nüchtern betrachtet sind diese „Gründe“ jedoch lediglich Ausreden. Sie beschwichtigen das latente Störgefühl, das die Betroffenen vielleicht doch selbst haben, weil die erhöhten finanziellen Ausgaben sonst eventuell nicht mehr zu rechtfertigen sind.

Und sehr oft funktionieren diese Ausreden auch bei Familie, Freunden und Kolleg*innen. Im Zweifel belächelt man vielleicht einfach den „armen Spinner“.

Während die meisten Spielenden nach einer Hochphase wieder normal weitermachen, verharren die betroffenen Personen in den gesteigerten Spielgewohnheiten und intensivieren diese noch. Langsam, aber stetig.

Dopamin: Segen und Fluch

Dieser Umstand ist dem Stoffwechsel in unserem Hirn geschuldet: Der Neurotransmitter Dopamin ist für Glücksgefühle verantwortlich. Der Botenstoff wird ausgeschüttet, wenn Spiel uns glücklich macht. Ein gutes Gefühl. Und wer wollte nicht, dass es ihm gut geht? Also spielen wir erneut. Dadurch kann eine Abhängigkeit entstehen.

Chemischer Aufbau des Neurotransmitters Dopamin. Das Hormon gehört zur Gruppe der Katecholamine und wird auch als Arzneistoff verwendet.

Problematisch ist zudem, dass sich das Hirn an die hohen Dopaminschübe gewöhnt. Damit wir uns weiter so gut wie zuvor fühlen, muss irgendwann mehr Dopamin her. Dieser Logik folgend, muss der Betroffene also mehr spielen. Es handelt sich um einen schleichenden Prozess, den Betroffene noch beeinflussen können, wenn dieser rechtzeitig erkannt wird. Geschieht das jedoch nicht, ist das Ende klar: Ein Teufelskreis, der zu immer mehr Spiel führt!

Physisches Problem

Dieser erschreckende Umstand macht folgendes deutlich: Spielsucht ist ein krankhaftes Ungleichgewicht im Stoffwechsel des Hirns. Also mithin eine Krankheit und keine „schlechte Angewohnheit“.

Dazu kommt die Erkenntnis, dass eine solche Sucht potenziell jeden treffen kann. Denn der Stoffwechsel im Hirn funktioniert bei jedem Menschen, wie oben vereinfacht beschrieben, gleich.

Es ist nicht meine Absicht, damit zu verunsichern. Und es gibt diverse Erkennungsmerkmale für missbräuchliches/süchtiges Spiel. Falls ihr jetzt ein mulmiges Gefühl habt, dann macht doch mal den Test in unserem Flyer „Lotto ist reine Glückssache“.

Solltet ihr danach das Gefühl haben, das ihr etwas ändern solltet, dann finden sich im Flyer auch Anlaufstellen und Beratungsmöglichkeiten.

Im nächsten Beitrag wenden wir unseren Blick dann denjenigen zu, die unter missbräuchlichem bzw. krankhaftem Spiel besonders leiden: die Familien.


Ihr kennen jemanden, der akut Hilfe zum Thema benötigt? In Kooperation mit der BzGA unterstützen wir das Informationsangebot Check dein Spiel, welches diverse Tests und Beratungsangebote bietet.

Auf unserer Webseite erhaltet ihr hier weitere Hinweise dazu, was Lotto Brandenburg für den Spielerschutz tut.

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Klaus Müller-Deisting

Ich habe das Glücksspiel von der Pike auf in verschiedenen staatlichen Spielbanken gelernt und war, vor Lotto, als Saalchef in der Spielbank Potsdam tätig. Das Thema Spielerschutz hat mich beruflich damit auch immer begleitet. Mittlerweile bearbeite ich dieses Thema seit 2006 für die brandenburgischen Spielbanken und seit 2010 für Lotto Brandenburg. Mein Grundsatz: Prävention durch Aufklärung.

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